DGVF-Vortrags- und Diskussionsveranstaltung zum Thema Verhandlungsethik

Auftaktveranstaltung der DGVF im Jahr 2021

Zum Auftakt des neuen Jahres lud die Deutsche Gesellschaft für Verhandlungsforschung am Mittwoch, 13.01.2020, Vertreter aus Forschung und Praxis zu einer ersten Vortrags- und Diskussionsrunde ein. Im Mittelpunkt stand die Frage: „Verhandlungsethik – never ever, oder doch clever?“. Aufgrund der aktuellen Lage wurde die Veranstaltung vollständig digital (via Zoom) durchgeführt. Rund 120 Teilnehmer tauschten sich an diesem Abend im virtuellen Raum angeregt über die Anwendung ethischer Prinzipien in Geschäftsverhandlungen aus.

Der Wirtschaftsethiker Prof. Dr. Detlef Aufderheide (Hochschule Bremen) führte am Beginn in einem Key Note-Vortrag zunächst in die Thematik ein. Dabei wurde gleich zu Beginn deutlich, in welchem Dilemma sich Verhandelnde in geschäftlichen Situationen befinden, in denen es oft um Millionenbeträge geht: Während es einerseits darum gehen muss, Ziele effektiv und effizient zu erreichen, stellt sich unter ethischen Gesichtspunkten gleichzeitig die Frage „Wie weit darf und sollte ich zur Erreichung meiner Ziele gegenüber meinem Verhandlungspartner gehen?“. Aus Sicht der Wirtschaftsethik lohnt sich dabei die Anwendung ethischer Prinzipien wie Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit, da es sich bei  Verhandlungen oftmals nicht um Nullsummenspiele handelt und sich nicht nur in langfristigen Geschäftsbeziehungen durch Ethik Potenziale zur Erzielung besserer Lösungen für alle Beteiligten ergeben.

 

 

Zu dieser Ansicht kommen auch Hans-Peter Langer (Head of Human Resources bei der Schott AG) und Didier Krause (Betriebsratsvorsitzender der Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co.KG) in der anschließenden Plenumsdiskussion, die von Prof. Dr. Uta Herbst (Universität Potsdam) moderiert wurde. So beurteilt Hans-Peter Langer die übergeordnete Diskussionsfrage für Tarifverhandlungen grundsätzlich positiv: „Beide Verhandlungsseiten profitieren auf lange Sicht von der gemeinsamen Kooperation.“ Jedoch gilt es hierbei laut Didier Krause noch einige Herausforderungen – vor allem bei Flächentarifverhandlungen – zu überwinden: „Oft ist es der Konkurrenzgedanke beider Parteien, aber auch in der Fläche zwischen den Mitgliedsunternehmen, der eine offene Kommunikation verhindert“. Einig waren sich die Diskutanten, dass die Anwendung von Verhandlungsethik zwar nicht durch Unternehmenskultur ersetzt, aber zumindest befördert wird.

Die nächste Veranstaltung der DGVF zum Thema „Digitale Verhandlungen“ findet am 09. Juni 2021 an der Universität Hohenheim statt. Weitere Informationen hierzu finden sich auf der DGVF-Homepage sowie unter info@dgvf-online.de.